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Hiroshima 6. August 1945 – Nagasaki 9. August 1945

Vor 75 Jahren, im August 1945, wurden zum bisher ersten und letzten Mal zwei Atombomben eingesetzt; die USA wollten damit den Krieg gegen Japan schnell beenden und hatten damit Erfolg.

Bis 1950 starben als Folge in den beiden Städten fast eine Viertel Million Menschen, zum Teil sehr qualvoll.

Nie wieder !

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Wikimedia Commons (U.S. National Archives and Records Administration / Charles Levy)

Kinder- und Jugendvertretung für Emden

Junge Menschen in die kommunale Demokratie einbeziehen

Unsere beiden regionalen Zeitungen berichten in diesen Tagen, dass in der Nachbargemeinde Hinte bald Neuwahlen für eine Kinder- und Jugendvertretung durchgeführt werden, die dort Jugendparalament genannt wird. Zwar hat die Coronakrise den Zeitplan verzögert, aber gegen Ende des Jahres soll es bei uns ebenfalls soweit sein: Auch Emden bekommt seine Kinder- und Jugendvertretung.

Im Rat der Stadt ist es unbestritten, dass Kinder und Jugendliche innerhalb unserer Gesellschaft eine Gruppe mit besonderen Voraussetzungen, Bedürfnissen und Interessen darstellen, die daher auch in besonderer Form am demokratischen Prozess beteiligt werden müssen. Die Einrichtung einer Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche stützt sich auf § 36 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes; dort wird aber keine zwingende Form für die Einrichtung festgelegt. Die folgenden Gedanken schreibe ich aus der Sicht eines Erwachsenen, der in seiner beruflichen Tätigkeit auch als Politiklehrer tätig war, um einige wichtige Eckpunkte in die Diskussion einzubringen.

Demokratische Teilhabe durch eine Kinder- und Jugendvertretung

Die Kinder- und Jugendvertretung für Emden repräsentiert alle Kinder und Jugendlichen unserer Stadt, die so im Rahmen der geltenden Gesetze ihren  Weg in die Politik unseres Landes beginnen. Damit hat sie auch eine Funktion beim Einüben von demokratischen Gepflogenheiten. Als Sprachrohr der Kinder und Jugendlichen informiert sie die Öffentlichkeit sowie Politik und Verwaltung über die spezifischen Wünsche und Bedürfnisse und setzt sich für die Durchsetzung ein. Sie hat informierende und beratende Funktion überall dort, wo es um Belange von Kindern und Jugendlichen geht. Daher sollte sie auch mit beratender Stimme in den Ausschüssen des Stadtrates vertreten sein, in denen die entsprechenden Angelegenheiten verhandelt werden, wie z.B. dem Schul- oder Jugendhilfeausschuss.

Aufgrund dieser Funktionen und auch im Vergleich zu anderen Vertretungen, die bereits in Emden mit ähnlicher Bedeutung bestehen, sollte die Interessenvertretung der jungen Leute den Namen „Kinder- und Jugendbeirat“ tragen. Eine Nutzung des auch in Niedersachsen verbreiteten Begriffs Parlament trifft nicht den Kern von Aufgaben und Kompetenzen, und erweckt so auch falsche Vorstellungen von legitimierten demokratischen Zusammenhängen in der Politik.

Der Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Emden als Vertretung aller Kinder und Jugendlichen der Stadt muss sich auf demokratische Wahlen auf möglichst umfassender Basis stützen, wobei der erste Gedanke wohl der an die allgemeinbildenden Schulen als Ausgangspunkt dieser Wahlen ist; andere oder zusätzliche Wahlen könnten auch in Organisationen wie kirchliche Jugend, Jugendrotkreuz oder Jugendfeuerwehr stattfinden, je nachdem wie die gesamte Struktur letztlich aussieht. Die Wahlen sollten alle zwei Jahre stattfinden. Die Altersgrenze für das aktive und passive Wahlrecht schwankt bei den verschiedenen bereits installierten Kinder- und Jugendräten oder Kinder- und Jugendparlamenten stark. Nach oben sollte auf jeden Fall die Grenze beim Erreichen der Volljährigkeit liegen; Vertreter im Alter von über 20 Jahren, wie z.B. aus Wilhelmshaven berichtet wird, sind nicht sinnvoll und auch rechtlich problematisch. Die Grenze nach unten ist schwerer festzulegen; ein Ansatz könnte der Wechsel von der Grundschule zum schulischen Sekundarbereich sein, z.B 10 Jahre, aber auch 12 Jahre ist als untere Altersgrenze vorstellbar. Klar ist dabei, dass ein Teil derer, die vertreten werden, bereits kommunales Wahlrecht besitzt, ein anderer Teil jedoch nicht. Die Größe des Gremiums sollte sich an der Arbeitsfähigkeit ausrichten und die Zahl von etwa 20 nicht überschreiten.

Interessant für die Gesamtorganisation der Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen könnte auch eine Anlehnung an das Modell des Emder Seniorenbeirates sein, der sowohl ein halbjährlich tagendes Plenum mit über 50 breit gewählten Mitgliedern hat als auch den eigentlichen Seniorenbeirat mit 13 Personen, die monatlich zusammenkommen und die Interessenvertretung im Wesentlichen wahrnehmen. Eine ähnliche Konstruktion für den Kinder- und Jugendbeirat würde es möglich machen, viele Jungen und Mädchen zu beteiligen und doch an der Spitze des Ganzen ein handlungsfähiges Gremium zu haben.

Der Emder Stadtrat hat neben seinen Fachausschüssen als Unterstützung bereits einige Beiräte, in denen Bürgerinnen und Bürger mit besonderen Interessen ein Sprachrohr erhalten haben: den Beirat für Menschen mit Teilhabeeinschränkung, den bereits erwähnten Seniorenbeirat sowie den Integrationsrat. Die Arbeitserfahrungen wie auch die Satzungen dieser Beiräte bieten wichtige Anregungen für die Gestaltung des künftigen Kinder- und Jugendbeirates. Auch aus Gründen der Gleichbehandlung sollten die bestehenden ein Vorbild für den neuen Beirat sein, der genau wie diese für die spezifischen Interessen eines Teils unser Gesamtgesellschaft stehen wird.

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wikimedia.org (Roletschek)

Dieser Beitrag ist eine überarbeitete Fassung von früher bereits hier veröffentlichen Gedanken.

Alles Gute für das Leben nach der Schule

IGS Emden: Entlassung der Abiturienten und Abiturientinnen

Ziel dieses Blogs ist es, mir ein Forum für gesellschaftliche Meinungsäußerungen zu schaffen, in der Regel zu Fragen, bei denen sich Örtliches oder Regionales mit Grundsätzlichem verbindet. Gelegentlich geht es auch um rein Lokales oder gar ganz Persönliches. So heute. Gerade eben habe ich die Verleihung der Abiturzeugnisse an der IGS Emden verfolgt, coronabedingt nur im schulinternen Livestream.

Von Sonnenblumen zum Beginn von Jahrgang 5 hin zum Abiturzeugnis nach Jahrgang 13

31 junge Männer und Frauen haben es geschafft: Nach 13 Jahren Unterricht sind die letzten  schriftlichen und mündlichen Prüfungen der Schulzeit überstanden und mit vielen guten Wünschen sowie Hinweisen auf die nun vor ihnen liegende Verantwortung, aber auch Freiheit dürfen sie das vertraute Schulgebäude verlassen. Den passenden Worten von Schulleiterin Carmen Boomgaarden, 13er-Tutorin Linda Frey und Schülerrednerin Milena Schönsee muss nichts mehr hinzugefügt werden, es ist alles gesagt worden. Auch Oberbürgermeister Tim Kruithoff und die als Ehrengast anwesende Präsidentin des Niedersächsischen Landtags, Gabriele Andretta, haben mit bewegenden Worten dazu beigetragen, dieser Sternstunde eines jeden Oberstufenschülers etwas Besonderes zu geben, das bleibt, denn natürlich sind die Coronaregeln eingehalten worden, so dass vieles in diesem Jahr anders als erwartet und erwünscht sein musste.

Die Emder IGS hat trotz der Einschränkungen eine Veranstaltung geschaffen, die im Gedächtnis bleiben wird: Es gab die Reden , Musik, natürlich die Zeugnisse und auch Preise, für Lehrer und Lehrerinnen, für Schülerinnen und Schüler. Auch von mir ein Glückwunsch an alle Einskomma-Absolventen ! Besonders aber möchte ich hier noch einmal diejenigen erwähnen und ihnen danken, die sich auf dem Feld des gesellschaftlichen Engagements in der Schule hervorgetan haben: Nico, Milena und, wichtig auch für die Mittelstufe, Sarah.

Manche der nunmehr Ex-Schülerinnen und Ex-Schüler habe ich im Laufe der Jahre von Mittelstufe und Oberstufe selbst unterrichtet, viele hier oder dort in der Schule gesehen und erlebt, nur einige wenige gar nicht kennen gelernt. Allen gratuliere ich heute ganz herzlich zum bestandenen Abitur ! Ich freue mich, dass ihr es geschafft habt und gebe euch die allerbesten Wünsche mit auf den Weg. Und ich hoffe, dass ihr bei den kommenden Ehemaligentreffen viel erzählen könnt: Erlebnisse, Erfahrungen, Erfolge, aber auch weitere und neue Ziel und Wünsche für weitere  Etappen eures Lebens.

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Berthold Haase

Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus

In diesem Frühjahr gibt es in der deutschen Politik auch wieder Interessantes im Bereich Personalfragen und Ämterbesetzungen. Schon fast vergessen sind die Wirren um die Nicht- und Dann-doch Wiederwahl des Linken Bodo Ramelow in Thüringen, in deren Zusammenhang unsere Kanzlerin erklärte, dass das Ergebnis einer geheimen Wahl in einem deutschen Landesparlament „rückgängig gemacht werden“ müsse. Das Problem war die Unterstützung des neuen Ministerpräsidenten aus der FDP durch die falsche Partei: Eine Wahl, die nur mit den Stimmen der AfD erfolgreich ist, darf nun mal nicht sein. Da wird nicht weiter auf das geheime Wahlrecht geachtet und vor allem auch nicht auf die Tatsache, dass die Abgeordneten der AfD in demokratischer Wahl ihr Mandat erhalten haben. Deutlich mehr als ein Fünftel der Männer und Frauen in Thüringen hatten sie gewählt. Das ist unschön, störend oder gar gefährlich, aber es ist so. Das ist Demokratie.

Thüringen war übrigens kein Einzelfall, wenn auch ein sehr herausragendes Beispiel. Vor kurzem ereignete sich eine grundsätzlich vergleichbare Situation auf kommunaler Ebene in Süddeutschland. In Höchstadt wurde ein Sozialdemokrat wohl mit einer AfD Stimme zum Stellvertreter des Bürgermeisters gewählt: Es gab scharfe Proteste, und möglicherweise wartet auf ihn  ein Verfahren innerhalb seiner Partei.

Mehrheitlich wird bei diesen Ereignissen nicht wirklich ein Problem gesehen, wohl, weil die Fälle mit der AfD verknüpft sind. Tasächlich ist die Frage nach dem Ernstnehmen des Wählervotums aber wesentlich weitreichender.

Allgemeine, unmittelbare, freie, gleiche, geheime Wahlen

Bei uns in Emden gibt es auch die Neubesetzung eines politischen Amtes, bei der kritisches Nachhaken durchaus gerechtfertigt ist. Hintergrund ist die veränderte Mandatsverteilung im Stadtrat, nachdem vier Gewählte ihre bisherige Fraktion verlassen haben. Durch den Übertritt von je zwei Fraktionsmitgliedern von Gemeinsam für Emden (GfE) zu den Fraktionen von SPD bzw. Grünen ergab sich die Notwendigkeit einer Neuverteilung von Ausschusssitzen, Funktionen und Ämtern, damit den Regeln und Gepflogenheiten entsprechend alle Fraktionen relativ zu ihrer Größe berücksichtigt werden.

Auch die drei ehrenamtlichen Stellvertreterinnen von Oberbürgermeister Tim Kruithoff werden neu gewählt, denn die bisherige Bürgermeisterin Doris Kruse wechselte von der GfE zur SPD. Interessant bei der Aufstellung der Kandidatinnen für die Neuwahl ist, dass die Sozialdemokraten nicht die geachtete und jahrelang bewährte Bürgermeisterin Lina Meyer ihre (wohl letzte) Legislatur zu Ende bringen lassen, sondern Doris Kruse nach weniger als einem Vierteljahr Mitgliedschaft in der Partei die Weiterarbeit ermöglicht wird. Lina Meyer verzichtete.

Bei dieser Personalie sind Spekulationen möglich; sie treffen aber nicht das wirkliche Problem: Welchen Stellenwert hat das Votum der Wählerinnen und Wähler ? Das Ergebnis der Kommunalwahlen von 2016 in Emden wird vom aktuellen Rat nicht mehr gespiegelt. Die SPD, die eine deutliche Niederlage erlitten hatte, stellt inzwischen mit 16 Mandaten drei mehr als nach der Wahl; die Grünen verbesserten sich gar von fünf auf sieben Mandate und überholten damit die FDP, die nach 2016 auch schon von einem Wechselgewinn profitiert hat. Sieben Gewählte sind nicht mehr in der Partei, für die sie angetreten sind: Die deutliche Entscheidung der Emderinnen und Emder blieb bei den Wechseln auf der Strecke.

Gegen diese Gedanken lässt sich mit dem im Grundgesetz §38 gesicherten freien Mandat von Abgeordneten argumentieren; wer sieht aber nicht, dass die Berufung auf das Gewissen in der Regel eine Fiktion ist ? Wir erkennen es bei fast allen Abstimmungen und nicht zuletzt auch im Begriff des Fraktionszwangs. Und es ist grundsätzlich auch richtig so, weil die Kandidatinnen und Kandidaten bei Wahlen üblicherweise das Programm ihrer Partei vertreten und deswegen auch gewählt werden.

Eine überzeugende Lösung dieses immer wieder entstehenden Problems kann nur der Mandatsverzicht bei Partei- und Fraktionswechseln sein. Im Widerspruch zwischen dem Gewissensentscheid des einzelnen Gewählten und dem von der Verfassung gestützen Machtanspruch des Volkes muss dies den Vorrang haben. Es gilt, den Souverän zu achten, und das sind die Wählerinnen und Wähler.

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Wikimedia Commons (Hauk)

Erinnern, feiern, gedenken …

Heute jährt sich der 8. Mai 1945. Dieses Datum erinnert uns an das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges in Europa. Damit ist es ohne Zweifel nicht nur ein zentrales historisches Datum, sondern auch ein eindeutig positiv besetztes, ein freudiges Datum. Was bedeutet das für die Debatte um die Erklärung des 8. Mai zum Feiertag, die seit Jahren immer wieder aufkommt und in diesem Jahr, wohl wegen des speziellen 75. Jahrestags, besonders heftig geführt wird ?

Lassen wir provozierende rechte und linke Extrem-Positionen außer Acht, argumentieren wir also nicht mit der Kapitulation als Niederlage des deutschen Volkes und auch nicht mit einem Vokabular wie „Scheiss Deutschland“. Gehen wir einfach von einem Feiertag aus, wie wir ihn in der Praxis des realen Alltags erleben: Das Wetter sollte ansprechend und warm genug sein, und es sollte nicht regnen, der Tag sollte geeignet sein für Ausflüge, Biergärten und Eiscafes. Beim Feiertagsdatum 8. Mai drängt sich sofort der Vergleich zum 17. Juni auf, dem früheren Tag der Deutschen Einheit. Entstanden als Erinnerung an dramatisches Geschehen und Mahnung blieb nach Jahren nicht mehr davon übrig als ein arbeitsfreier Ausflugstag für die meisten Bürgerinnen und Bürger, und ein Pflichtdatum für viele Politikerinnen und Politiker. So einen Feiertag kann niemand wollen.

Die Emder Innenstadt nach dem Ende des Krieges 1945

Der 8. Mai steht für das Ende eines menschenverachtenden Regimes. Er bedeutete für viele Opfer der Nationalsozialisten das Ende von Raub, Gewalt und Sterben, tatsächlich und buchstäblich Befreiung, und er symbolisiert auch Millionen, die das Leiden nicht überlebt haben. Der 8. Mai steht für nie erlebte Zerstörung und Raub. Er ist aber auch für solche Frauen und Männer ein Symbol für Verlust und Leid oder gar Vertreibung und Tod, die nicht in persönliche Schuld verstrickt waren. Der 8. Mai steht ebenfalls dafür, dass viele Täter, in irgendeiner Form beteiligt an der Terrorherrschaft, sich ihrer Verantwortung entzogen. Und der 8. Mai steht schließlich in Teilen Deutschlands und Europas als Ausgangspunkt für eine neue Diktatur.

Die Emder Innenstadt nach dem Ende des Krieges 1945

Wenn heute der 8. Mai vor allem als Tag der Befreiung gesehen wird, ist das ist eine richtige und wichtige Sichtweise, aber es gibt weitere und andere Aspekte, die ebenfalls nicht vergessen werden dürfen. In vielen Reden, Kommentaren und Medienbeiträgen aller Art finden sich heute Gedanken, die manche unterschiedliche und vielleicht auch widersprüchliche Seite des 8. Mai beleuchten. Sind das alles Gründe zu feiern ?

Nein. Der 8. Mai ist für Deutschland und Deutsche ein Tag der Freude, nicht des Trauers, aber er ist kein Tag zum Feiern. In anderen Ländern mag das anders gesehen werden, aber bei uns muss an diesem Tag Erinnern und Gedenken stattfinden, muss gesprochen, nachgefragt und reflektiert werden. Dabei werden auch unangenehme Wahrheiten ausgesprochen und müssen ausgehalten werden, beginnend mit dem Staat Deutschland und seiner Geschichte der letzten 75 Jahre und endend in vielen, vielen Familien und ihrer ganz persönlichen Einbeziehung in die deutsche Geschichte.

Fotos:

Stadtarchiv der Stadt Emden

Zu Haus am 1. Mai

Der 1. Mai ist im Deutschland von heute der Tag der Gewerkschaften, der Tag der Demonstrationen und Kundgebungen; Tag der Arbeit sagt der Kalender dazu. Aber auch bei diesem Thema schlägt die Corona Krise zu: Es wird keine öffentlichen Aufmärsche geben. Stattdessen ist Distanz angesagt, denn Solidarität heisst in diesem Jahr Abstand halten, um keine neuen Verbreitungssituationen für das Virus zu schaffen. Die Parole vieler vergangener Jahre „Heraus zum 1. Mai“ kann 2020 nur heissen „Zu Haus am 1.Mai !“.

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)

Der Deutsche Gewerkschaftsbund nimmt uns mit auf einen Weg, bei dem die derzeit notwendigen Regeln des Miteinander eingehalten werden und doch ein Gemeinschaftserlebnis stattfindet. In einem Livestream wird am 1. Mai ab 11:00 Uhr eine zentrale Veranstaltung der Gewerkschaft über die Internetpräsenz des DGB, auf Facebook und auf Youtube übertragen. Das Motto dieser Online-Demonstration lautet: Solidarisch ist man nicht alleine. Neben Reden, Interviews und Solidaritätsbotschaften bietet das Kulturprogramm Auftritte von so verschiedenen Künstlern wie MIA, Friederike Kempter oder Heinz Rudolf Kunze. Also: Bleib zu Haus und log dich ein.

Ursprünglich geht der Tag der Arbeit auf Ereignisse in den USA im Jahr 1886 zurück. Auf dem zweiten Internationalen Arbeiterkongress in Paris wurde beschlossen, sich Plänen des Amerikanischen Arbeiterbundes für eine weltweite Demonstration am 1. Mai 1890 anzuschließen. Damit wurde der 1. Mai zum zentralen Aktions- und Feiertag der Arbeiterinnen und Arbeiter weltweit. In Deutschland unterstützte dies die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP, später SPD) und am 1. Mai 1890 legten etwa 100 000 Menschen ihre Arbeit nieder. Der 1. Mai entwickelte sich danach zum Festtag der Arbeiterbewegung, wurde aber nur 1919 einmalig als gesetzlicher Feiertag begangen.

In der Weimarer Republik war die Arbeiterbewegung gespalten: Während die SPD den 1. Mai als Festtag begehen wollte, betonte die Kommunistische Partei (KPD) den Kampfcharakter des Tages. Als sie 1929 trotz eines Demonstrationsverbots Maidemonstrationen in Berlin organisierte, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen mit über 30 Toten, Hunderten Verletzten und vielen Verhaftungen, zum sogenannten „Blutmai“. 1933 machten die Nationalsozialisten den 1. Mai zum Feiertag der nationalen Arbeit, besetzten aber am Tag darauf Gewerkschaftshäuser, Arbeiterbanken und Gewerkschaftsblätter. Viele leitende Funktionäre wurden in Konzentrationslagern und Gefängnissen inhaftiert. Die neugegründete Deutsche Arbeitsfront (DAF) sollte das nationalsozialistische Ideal der Volksgemeinschaft darstellen.

Mai-Demonstration des DGB in Hamburg 2007

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der 1. Mai 1946 durch die Alliierten als Feiertag bestätigt. In der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR wurden am 1. Mai lange Zeit staatliche Militärparaden inszeniert; Bürgerinnen und Bürger waren verpflichtet, daran teilzunehmen. In der Bundesrepublik nutzten die Gewerkschaften den Tag für Massenkundgebungen mit wechselnden Schwerpunkten und Themen. Trotz oft lebensentscheidender Fragen sind die Maikundgebungen heute aber nicht mehr so attraktiv wie früher: Folgten 1960 in Berlin noch 750 000 Menschen dem Aufruf, so nahmen 2019 an der offiziellen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vor dem Brandenburger Tor nur noch 13 000 Menschen teil.

Mehr im Netz:

Als Einstieg eignet sich die folgende Seite der Bundeszentrale für Politische Bildung zum 1. Mai, auf deren Formulierungen sich auch meine kurze geschichtliche Zusammenfassung stützt:

https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/308214/tag-der-arbeit?pk_campaign=nl2020-04-29&pk_kwd=308214 (27.04.20)

Grafik:

DGB Deutscher Gewerkschaftsbund

Foto:

Wikimedia Commons (Wolf)

Frohes Osterfest

Als ich vor etwa dreieinhalb Monaten meine Weihnachtsgrüße formulierte, stand für mich der Pausencharakter der Festtage im Vordergrund, ich wünschte uns allen Ruhe, Entspannung und ein Innehalten in der Diskussion um bestehende Konflikte.  Ruhe haben wir jetzt genug. In rasanter Geschwindigkeit hat sich sehr, sehr viel für unsere Gesellschaft und jeden Einzelnen als Individuum so sehr verändert, dass heute nur der Wunsch nach Gesundheit und der Appell an Disziplin und Durchhaltevermögen angesagt sind. Das Osterfest muss in diesem Jahr anders gefeiert werden, im kleinen Rahmen mit sozialer Distanz, also ohne Osterfeuer und größere Osterfeier, und trotzdem mit Menschlichkeit soweit das machbar ist, mit angemessener Zuwendung und Unterstützung für Verwandte und Nachbarn.

Ich wünsche daher allen die Einsicht und die Kraft, dass wir uns in den diesjährigen Ostertagen so verhalten wie es nun einmal sein muss, und ich freue mich auf die Zeit, in der die unangenehmen Einschränkungen aller Lebensbereiche wieder abgebaut werden.

Foto:

Pixabay (Stux)

Alles Gute für 2020

Für das kommende neue Jahr 2020 wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieser Seiten nur das Beste:

Gesundheit, Zufriedenheit und Spaß, viel Liebe und gute Freundschaften sowie möglichst viele der erwünschten Erfolge im privaten wie im beruflichen Leben !

Für unsere Stadt, unsere Region und unser Land wünsche ich mir, dass wir in einer friedlichen und respektvollen Gemeinschaft miteinander leben können, in der auftretende Probleme mit Sachverstand effizient gelöst werden und Konflikte demokratisch verarbeitet werden.

Foto:

pixabay.com (Altmann)

Start: Informationen – Gedanken – Standpunkte

Seit 20 Jahren habe ich eine statische Netzpräsenz betrieben, zusätzlich später einen wenig genutzten Blog. Eine Zeit lang habe ich jetzt versucht, mich über Twitter in gesellschaftliche Diskussionen einzumischen. Dabei habe ich gesehen, dass das (für mich) kein Mittel für Beiträge zu gesellschaftliche Entwicklungen in Emden, Niedersachsen oder Deutschland ist. Fast alle Themen und Probleme lassen sich fundiert und begründet kaum in wenigen Sätzen klar und deutlich kommentieren. Ich möchte aber mit erweitertem Spielraum Stellung beziehen. Ähnlich sehe ich für mich die Möglichkeiten von Facebook oder Instagram. Daher wird es dort überall nur gelegentliche kurze Bemerkungen geben; hier ist der Ort für Standpunkte mit Argumentation.

Diese neue Präsenz verbindet auch die Vorteile von statischer Website mit denen eines dynamischen Blogs. Hier auf der Startseite gibt es von mir verfasste Beiträge, vielleicht auch Auszüge aus Presseartikeln oder Verweise auf Texte im Netz; dazu Berichte oder Kommentare zu aktuellen Ereignissen. Daneben behalte ich auf anderen Seiten einen großen Teil des Inhaltes meiner bisherigen Netzpräsenz in neuer Form bei: Stationen meines Lebens in Text und Bild, Berichte aus der Arbeitswelt als Lehrer und Überblicke zu meinen politischen Aktivitäten in Emden und Umgebung.

Auf Reaktionen freue ich mich, und ich werde versuchen, darauf einzugehen.