Archiv für den Monat: August 2020

59 Jahre Berliner Mauer

Am 13. August 1961 feierte meine Familie wie in jedem Jahr den Geburtstag meines Vaters; ich hatte Sommerferien und stand vor dem Übergang von der Grundschule zum Gymnasium. Zur Geburtstagsfeier kam am Nachmittag die Familie in der Wohnung meiner Eltern zusammen, unter ihnen auch mein Onkel Helmut, der aus Chemnitz, dem damaligen Karl-Marx-Stadt in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik, stammte. Dort lebte auch seine gesamte Familie, während er nach 1945 in Emden geblieben war.

Wir saßen schon eine Zeit lang bei Tee und Kuchen, als Helmut in die Runde stürmte: „Jetzt haben sie alles dicht gemacht !“ Er fürchtete natürlich zuerst um das ganz Persönliche, um die Möglichkeit, seine Eltern und seine Schwester bald wieder zu sehen. Er sollte Recht behalten. Die Diskussion ging dann aber schnell weit darüber hinaus und ich erinnere mich, dass sogar die Angst vor einem neuen Krieg wieder hochkam; von den Russen und den Amerikanern war die Rede. In den Geschichtsbüchern wird heute die Bezeichnung Kalter Krieg benutzt,

Reste der Berliner Mauer im Jahre 2004

69 Jahre später wissen wir mehr: Durch den Bau der Berliner Mauer gab es keinen Krieg, auch nicht 1962 wegen der Kuba-Krise und und nicht 1968 nach dem Einmarsch von Warschauer Pakt Truppen in Prag. Die Mauer trennte Berlin bis 1989; aus heutiger Sicht liegt ihr Zusammenbruch in Jahren bereits länger zurück als sie bestanden hat. Welche Bedeutung hat das Bestehen der Mauer jetzt noch, warum muss an ihre Existenz erinnert werden ?

Foto:

Wikimedia Commons (Wici)

Kinder- und Jugendvertretung für Emden

Unsere beiden regionalen Zeitungen berichten in diesen Tagen, dass in der Nachbargemeinde Hinte bald Neuwahlen für eine Kinder- und Jugendvertretung durchgeführt werden, die dort Jugendparalament genannt wird. Zwar hat die Coronakrise den Zeitplan verzögert, aber gegen Ende des Jahres soll es bei uns ebenfalls soweit sein: Auch Emden bekommt seine Kinder- und Jugendvertretung.

Im Rat der Stadt ist es unbestritten, dass Kinder und Jugendliche innerhalb unserer Gesellschaft eine Gruppe mit besonderen Voraussetzungen, Bedürfnissen und Interessen darstellen, die daher auch in besonderer Form am demokratischen Prozess beteiligt werden müssen. Die Einrichtung einer Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche stützt sich auf § 36 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes; dort wird aber keine zwingende Form für die Einrichtung festgelegt. Die folgenden Gedanken schreibe ich aus der Sicht eines Erwachsenen, der in seiner beruflichen Tätigkeit auch als Politiklehrer tätig war, um einige wichtige Eckpunkte in die Diskussion einzubringen.

Kinder und Jugendliche nehmen beratend am demokratischen Prozess teil

Die Kinder- und Jugendvertretung für Emden repräsentiert alle Kinder und Jugendlichen unserer Stadt, die so im Rahmen der geltenden Gesetze ihren  Weg in die Politik unseres Landes beginnen. Damit hat sie auch eine Funktion beim Einüben von demokratischen Gepflogenheiten. Als Sprachrohr der Kinder und Jugendlichen informiert sie die Öffentlichkeit sowie Politik und Verwaltung über die spezifischen Wünsche und Bedürfnisse und setzt sich für die Durchsetzung ein. Sie hat informierende und beratende Funktion überall dort, wo es um Belange von Kindern und Jugendlichen geht. Daher sollte sie auch mit beratender Stimme in den Ausschüssen des Stadtrates vertreten sein, in denen die entsprechenden Angelegenheiten verhandelt werden, wie z.B. dem Schul- oder Jugendhilfeausschuss.

Aufgrund dieser Funktionen und auch im Vergleich zu anderen Vertretungen, die bereits in Emden mit ähnlicher Bedeutung bestehen, sollte die Interessenvertretung der jungen Leute den Namen „Kinder- und Jugendbeirat“ tragen. Eine Nutzung des auch in Niedersachsen verbreiteten Begriffs Parlament trifft nicht den Kern von Aufgaben und Kompetenzen, und erweckt so auch falsche Vorstellungen von legitimierten demokratischen Zusammenhängen in der Politik.

Der Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Emden als Vertretung aller Kinder und Jugendlichen der Stadt muss sich auf demokratische Wahlen auf möglichst umfassender Basis stützen, wobei der erste Gedanke wohl der an die allgemeinbildenden Schulen als Ausgangspunkt dieser Wahlen ist; andere oder zusätzliche Wahlen könnten auch in Organisationen wie kirchliche Jugend, Jugendrotkreuz oder Jugendfeuerwehr stattfinden, je nachdem wie die gesamte Struktur letztlich aussieht. Die Wahlen sollten alle zwei Jahre stattfinden. Die Altersgrenze für das aktive und passive Wahlrecht schwankt bei den verschiedenen bereits installierten Kinder- und Jugendräten oder Kinder- und Jugendparlamenten stark. Nach oben sollte auf jeden Fall die Grenze beim Erreichen der Volljährigkeit liegen; Vertreter im Alter von über 20 Jahren, wie z.B. aus Wilhelmshaven berichtet wird, sind nicht sinnvoll und auch rechtlich problematisch. Die Grenze nach unten ist schwerer festzulegen; ein Ansatz könnte der Wechsel von der Grundschule zum schulischen Sekundarbereich sein, z.B 10 Jahre, aber auch 12 Jahre ist als untere Altersgrenze vorstellbar. Klar ist dabei, dass ein Teil derer, die vertreten werden, bereits kommunales Wahlrecht besitzt, ein anderer Teil jedoch nicht. Die Größe des Gremiums sollte sich an der Arbeitsfähigkeit ausrichten und die Zahl von etwa 20 nicht überschreiten.

Interessant für die Gesamtorganisation der Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen könnte auch eine Anlehnung an das Modell des Emder Seniorenbeirates sein, der sowohl ein halbjährlich tagendes Plenum mit über 50 breit gewählten Mitgliedern hat als auch den eigentlichen Seniorenbeirat mit 13 Personen, die monatlich zusammenkommen und die Interessenvertretung im Wesentlichen wahrnehmen. Eine ähnliche Konstruktion für den Kinder- und Jugendbeirat würde es möglich machen, viele Jungen und Mädchen zu beteiligen und doch an der Spitze des Ganzen ein handlungsfähiges Gremium zu haben.

Der Emder Stadtrat hat neben seinen Fachausschüssen als Unterstützung bereits einige Beiräte, in denen Bürgerinnen und Bürger mit besonderen Interessen ein Sprachrohr erhalten haben: den Beirat für Menschen mit Teilhabeeinschränkung, den bereits erwähnten Seniorenbeirat sowie den Integrationsrat. Die Arbeitserfahrungen wie auch die Satzungen dieser Beiräte bieten wichtige Anregungen für die Gestaltung des künftigen Kinder- und Jugendbeirates. Auch aus Gründen der Gleichbehandlung sollten die bestehenden ein Vorbild für den neuen Beirat sein, der genau wie diese für die spezifischen Interessen eines Teils unser Gesamtgesellschaft stehen wird.

Foto:

Wikimedia Commons (Roletschek)

Dieser Beitrag ist eine überarbeitete Fassung von früher bereits hier veröffentlichen Gedanken.