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Zu Haus am 1. Mai

Der 1. Mai ist im Deutschland von heute der Tag der Gewerkschaften, der Tag der Demonstrationen und Kundgebungen; Tag der Arbeit sagt der Kalender dazu. Aber auch bei diesem Thema schlägt die Corona Krise zu: Es wird keine öffentlichen Aufmärsche geben. Stattdessen ist Distanz angesagt, denn Solidarität heisst in diesem Jahr Abstand halten, um keine neuen Verbreitungssituationen für das Virus zu schaffen. Die Parole vieler vergangener Jahre „Heraus zum 1. Mai“ kann 2020 nur heissen „Zu Haus am 1.Mai !“.

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)

Der Deutsche Gewerkschaftsbund nimmt uns mit auf einen Weg, bei dem die derzeit notwendigen Regeln des Miteinander eingehalten werden und doch ein Gemeinschaftserlebnis stattfindet. In einem Livestream wird am 1. Mai ab 11:00 Uhr eine zentrale Veranstaltung der Gewerkschaft über die Internetpräsenz des DGB, auf Facebook und auf Youtube übertragen. Das Motto dieser Online-Demonstration lautet: Solidarisch ist man nicht alleine. Neben Reden, Interviews und Solidaritätsbotschaften bietet das Kulturprogramm Auftritte von so verschiedenen Künstlern wie MIA, Friederike Kempter oder Heinz Rudolf Kunze. Also: Bleib zu Haus und log dich ein.

Ursprünglich geht der Tag der Arbeit auf Ereignisse in den USA im Jahr 1886 zurück. Auf dem zweiten Internationalen Arbeiterkongress in Paris wurde beschlossen, sich Plänen des Amerikanischen Arbeiterbundes für eine weltweite Demonstration am 1. Mai 1890 anzuschließen. Damit wurde der 1. Mai zum zentralen Aktions- und Feiertag der Arbeiterinnen und Arbeiter weltweit. In Deutschland unterstützte dies die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP, später SPD) und am 1. Mai 1890 legten etwa 100 000 Menschen ihre Arbeit nieder. Der 1. Mai entwickelte sich danach zum Festtag der Arbeiterbewegung, wurde aber nur 1919 einmalig als gesetzlicher Feiertag begangen.

In der Weimarer Republik war die Arbeiterbewegung gespalten: Während die SPD den 1. Mai als Festtag begehen wollte, betonte die Kommunistische Partei (KPD) den Kampfcharakter des Tages. Als sie 1929 trotz eines Demonstrationsverbots Maidemonstrationen in Berlin organisierte, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen mit über 30 Toten, Hunderten Verletzten und vielen Verhaftungen, zum sogenannten „Blutmai“. 1933 machten die Nationalsozialisten den 1. Mai zum Feiertag der nationalen Arbeit, besetzten aber am Tag darauf Gewerkschaftshäuser, Arbeiterbanken und Gewerkschaftsblätter. Viele leitende Funktionäre wurden in Konzentrationslagern und Gefängnissen inhaftiert. Die neugegründete Deutsche Arbeitsfront (DAF) sollte das nationalsozialistische Ideal der Volksgemeinschaft darstellen.

Mai-Demonstration des DGB in Hamburg 2007

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der 1. Mai 1946 durch die Alliierten als Feiertag bestätigt. In der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR wurden am 1. Mai lange Zeit staatliche Militärparaden inszeniert; Bürgerinnen und Bürger waren verpflichtet, daran teilzunehmen. In der Bundesrepublik nutzten die Gewerkschaften den Tag für Massenkundgebungen mit wechselnden Schwerpunkten und Themen. Trotz oft lebensentscheidender Fragen sind die Maikundgebungen heute aber nicht mehr so attraktiv wie früher: Folgten 1960 in Berlin noch 750 000 Menschen dem Aufruf, so nahmen 2019 an der offiziellen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vor dem Brandenburger Tor nur noch 13 000 Menschen teil.

Mehr im Netz:

Als Einstieg eignet sich die folgende Seite der Bundeszentrale für Politische Bildung zum 1. Mai, auf deren Formulierungen sich auch meine kurze geschichtliche Zusammenfassung stützt:

https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/308214/tag-der-arbeit?pk_campaign=nl2020-04-29&pk_kwd=308214 (27.04.20)

Grafik:

DGB Deutscher Gewerkschaftsbund

Foto:

Wikimedia Commons (Wolf)