Ostern 2022

Wohl kaum jemand hätte vor einem Jahr das diesjährige Osterfest in einem so anderen Kontext gesehen, doch die politisch-gesellschaftliche Situation in Europa hat sich durch den militärischen Überfall Russlands auf die Ukraine drastisch verändert. Wir werden damit und vor allem mit den Folgen sicher lange leben müssen; zusammen mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie sieht es daher nicht so aus, als ob wir in das Leben, das wir zum Beispiel noch im Jahr 2019 geführt haben, zurückkehren werden.

Aber Ostern ist und bleibt eines der großen vom Christentum geprägten Feste im Laufe eines Jahres. Nutzen wir es für ein Innehalten, für das Sammeln neuer Kräfte.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieser Seiten ein entspannendes Osterfest, eine Pause vom schwieriger werdenden Alltag. Genießen wir auch den beginnenden Frühling, um gestärkt weiterzuleben und uns dann mit neuer für unsere Ziele, Wünsche und Träume einzusetzen.

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Peggy Choucair / Pixabay

Stolpersteine nun auch in Wolthusen

Gunter Demnig war wieder in Emden und hat zum nun schon 15. Mal seine Stolpersteine verlegt, diesmal auch im Ortsteil Wolthusen. Mit seinem inzwischen europaweiten Projekt schafft Demnig ein dezentrales Mahnmal inmitten von Städten und Gemeinden, an den Orten, an denen die jeweiligen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zuletzt gelebt haben. Jedem und jeder Verfolgten, Deportierten, in den Tod Getriebenen oder Ermordeten wird mit dem Stolperstein ein Denkmal gesetzt, indem mit dem Namen die Erinnerung an jeden einzelnen Menschen lebendig gehalten wird.

Bei der aktuellen Aktion in Emden wurde an insgesamt 25 Menschen erinnert, die in unterschiedlicher Weise Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden sind. So sind es in der Wolthuser Straße zum Beispiel fünf Steine, die an den aus den Niederlanden in den 20er Jahren nach Ostfriesland übergesiedelten jüdischen Viehhändler Aron de Leeuw und seine Familie erinnern, die deportiert und in Lagern ermordet wurde. In der Nordertorstraße hingegen wird mit einem Stein das Gedenken an Henry Mellendorf wachgehalten, der im Emder Widerstand tätig war und dabei Opfer politischer Verfolgung wurde.

Für jeden Menschen, der in der aktuellen Verlegung mit einem Stolperstein geehrt wurde, trugen Schülerinnen und Schüler verschiedener Emder Schulen eine jeweilige kurze Biografie vor, die die knappen Angaben des Steines selbst erweiterte und erläuterte. Die Angaben dazu wurden von Mitgliedern des Arbeitskreises Stolpersteine Emden recherchiert, die auch in Zusammenarbeit mit Gunter Demnig die Emder Aktion organsiert haben.

Die Stolpersteine der 15. Verlegung erinnern an Berend Hündling sowie an Hermann,Clara, Arthur, Else, Arno, Philipp, Kurt und Mathilde Hartogsohn. Desweiteren werden die Namen Arent, Kornelia, Simon und Ludwig Gans wachgehalten wie auch der von Gesine Lüken. Schließlich wird erinnert an Josef, Henriette, Grete, Iwan und Ryfka Wolff, an Aron, Hermina, Max, Nico und Siegfried de Leeuw sowie an Henry Mellendorf.

Das Projekt Stolpersteine ist ein wichtiger Bestandteil der Bemühungen in unserer Gesellschaft, dem Vergessen entgegenzutreten, auch wenn die Zeitzeugen mit ihren selbst erlebten und daher so eindringlichen Berichten immer weniger werden. Es zeigt, dass Deutschland sich täglich seiner historischen Verantwortung stellt und hier auch eine (von vielen) Möglichkeiten gefunden hat, bei der schulisches Lernen und Alltagsleben miteinander verbunden sind.

Mehr zum Thema im Netz:

Internetpräsenz von Gunter Demnig

Artikel Stolpersteine in Wikipedia

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Berthold Haase

Kein Ranking des Leidens

Neben all den bekannten gesellschaftlichen Aspekten im Rückblick auf 2021 habe ich mich oft mit der Aussage beschäftigt, dass Kinder und Jugendliche die größten Verlierer der Corona-Zeit sind. Als gerade erst pensionierter Lehrer und auch als Großvater von zwei Enkelinnen kann ich diesen Satz zunächst gut nachvollziehen, wenn ich daran denke, was von den jungen Menschen alles in den letzten 21 Monaten zu verkraften war. Und ja: Da hat auch viel Schönes im Leben gefehlt !

Als Neffe und Betreuer von Onkel und Tante im Alter von 89 und 90 Jahren und als Mitglied des Emder Seniorenbeirates habe ich jedoch auch das andere Ende des Lebens genau gesehen. Ich war dabei, als ein Ehepaar sich nach über 60 Jahren Gemeinsamkeit nur noch durch eine Plastikscheibe getrennt treffen konnte, und ich habe die Geistlichen gehört, die von unerträglichen Beschränkungen bei Begräbnissen erzählten. Abschied nehmen war nicht immer möglich.

Großvater und Enkelin

Natürlich gewichten wir beim Thema Finanzen, und wir müssen auch politisch bedingt Priorisierungen vornehmen, aber es darf kein Ranking des Leidens geben. Jede Altersgruppe hat gelitten und musste und muss immer noch einstecken: Die Einen leiden in ihren wichtigen prägenden Jahren, die Anderen in den letzten Jahren, die sie noch haben. Die Einen verlieren viele Tage, Wochen und Monate mit unbeschwertem Spass, Abenteuern und Entdeckungen, den Anderen wird die Möglichkeit genommen, ihren Lebensabschluss zu genießen und das Ende in Würde zu erleben. Der wahrscheinlich gut gemeinte Hinweis darauf, dass noch ein langes Leben wartet, tröstet aktuell keinen Teenager; der Verweis darauf, dass jemand bereits ein langes Leben gehabt hat, ist respektlos.

Wir sollten alles Leiden ernst nehmen und nicht gewichten, sonst gehen wir auch hier einen Schritt zu einer gesellschaftlichen Spaltung.

Der Text ist eine erweiterte und geschärfte Fassung eines Beitrages, den ich für die Emder Zeitung vom 6. Januar geschrieben habe.

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Rita E / Pixabay

Alles Gute im Jahr 2022 !

Auch an diesem Silvester finden öffentliche wie auch private Feiern kaum statt oder sind zumindest deutlich kleiner als wir es gewohnt sind, und Feuerwerke soll es überhaupt nicht geben. Und doch: Wir freuen uns wieder einmal über den Beginn eines neuen Jahres.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieser Seiten alles Gute für das neue Jahr 2022. Bleibt gesund. Setzt euch ein für eure Ziele und habt dabei viel Erfolg. Und wenn sich die Dinge doch nicht wie geplant entwickeln, dann gebt nicht so schnell auf. Es geht weiter, vielleicht ein wenig anders.

2022 wird sicherlich kein Jahr voller Freude und Genuß; ich denke eher, dass Probleme und Sorgen im Mittelpunkt unseres Tuns und Handelns stehen werden.

Bei den weiteren Impfaktionen muss endlich ehrlich ermittelt werden, wie wirksam welche neuen Mittel letztlich sind. Auf veröffentlichte Zahlen muss Verlass sein ! Öffentliche wie private Haushalte werden mehr als bisher abrechnen müssen, welche ökonomischen Folgen die Corona-Pandemie bereits gehabt hat und langfristig noch haben wird. Die Einschränkungen grundgesetzlich gesicherter und daher selbstverständlicher persönlicher Freiheiten müssen breit und tabulos diskutiert werden; die Debatte darf auch die Art und Weise ihres Zustandekommens im abgelaufenen Jahr nicht aussparen.

Für die neue Regierung im Bund und ihre Mehrheit im Parlament, aber auch für den niedersächsischen Wahlkampf darf die Corona-Pandemie nicht das alleinige Thema sein. Sorgen und Fragen entstehen auch im Bereich der Finanzen, zum Beispiel, wenn es um die beginnende Inflation oder die Altersvorsorge geht, oder  bei den zuletzt eingegangenen europäischen Verpflichtungen oder den Belastungen des Sozialsystems durch neue soziale Leistungen. Der Bund, unser Land Niedersachsen und auch unsere Stadt Emden müssen fragen: Was müssen wir uns leisten ? Was wollen wir uns leisten ? Was können wir uns leisten?

2022 wird also viele Herausforderungen bereit halten und damit die Gelegenheit für viele Überlegungen und Vorschläge im Laufe des Jahres.

Foto: S. Hermann und F. Richter / Pixabay