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Nachdenktage: 17. Juni 1953

Heute am 17. Juni jährt sich die Wiederkehr der aufstandsartigen Unruhen in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zum 69. Mal. Die Protestaktionen und Demonstrationen griffen von Berlin aus auf über 700 Städte und Gemeinden über und entwickelten sich zu einem nahezu landesweiten Ereignis. In mehr als zwei Dritteln der Landkreise wurde von der sowjetischen Besatzungsmacht der Ausnahmezustand verhängt: Durch militärische Gewalt wurde verhindert, dass sich ein erfolgreicher Aufstand entwickelte. Mehr als 50 Menschen starben bei ihrem Einsatz für wirtschaftliche und demokratische Rechte, unter ihnen waren 34 Opfer des sowjetischen Militäreinsatzes. Etwa 15.000 Bürgerinnen und Bürger wurden festgenommen, 1.500 von ihnen wurden von Gerichten verurteilt.

Die Entwicklung der öffentlichen Forderungen nach Veränderungen bei den Arbeitsnormen im Bau hin zu solchen nach politischem Wandel durch freie Wahlen in nur wenigen Tagen ist ein wichtiges Zeugnis der gesellschaftlichen Stimmung in der DDR. Zusätzliche Bedeutung bekommt sie im osteuropäischen Kontext der Kämpfe in Polen und Ungarn 1956, also nur drei Jahre später.

Das Gedicht Die Lösung des marxistischen Schriftstellers Bertolt Brecht, der vor den Nationalsozialisten fliehen musste und aus dem Exil in die DDR nach Berlin zurückgekehrt war, gibt in lyrischen Worten eine klare Einordnung der Ereignisse.

Die Lösung

Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?

Dieser Text ist die erweiterte Fassung eines Beitrages, den ich bereits im vergangenen Jahr geschrieben habe.

Mehr zum Thema im Netz:

Beitrag 17. Juni 1953 – Volksaufstand bei Lebendiges Museum Online

Dossier Der Aufstand des 17. Juni 1953 bei Bundeszentrale für politische Bildung

Audiofassung des Gedichtes von Fritz Stavenhagen bei Gesprochene deutsche Lyrik

Quelle Foto:

Ulf Heinsohn / Wikimedia Commons