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Impfpflicht für alle statt 2 G

Ich bin kein Virologe: Ich vertraue bei allem, was mit Krankheiten zu tun hat, meinem Arzt und damit ist bisher mein Leben auch ganz gut verlaufen. Entsprechend habe ich mich auf Empfehlung meines Arztes auch gegen Corona impfen lassen, zweimal bereits. Wir haben die Möglichkeit einer freien Entscheidung pro oder contra und meine Entscheidung war und ist pro.

So wie ich entscheidet sich die große Mehrheit der Deutschen, aber eben nur eine Mehrheit; es bleiben Menschen übrig, die sich nicht impfen lassen wollen. Denen soll das Leben schwer gemacht werden, der Druck soll immer mehr erhöht werden, wie die niedersächsische Regierungssprecherin Anke Pörksen schon vor Wochen betonte. Dieses Vorgehen aber ist unserer Werte unwürdig. Das Ziel ist die Erhöhung der Impfrate. Wenn diese aber so richtig und so wichtig ist, warum wird dann nicht endlich die allgemeine Impfpflicht beschlossen ?

Sprechen grundgesetzliche Regelungen gegen die allgemeine Impfplicht, zum Beispiel die körperliche Unversehrheit aus GG Artikel 2 ? Nein, offensichtlich nicht, denn es wird bereits laut über eine Impfpflicht für Pflegekräfte oder Lehrpersonal nachgedacht. Und es hat durchaus sowohl in der alten Bundesrepublik als auch in der DDR verpflichtende Impfungen gegeben. Der Text des Infektionsschutzgesetzes verbietet auch nicht die Möglichkeit von  Maßnahmen, die in die Freiheit von GG Artikel 2 eingreifen, zum Beispiel bei Masern.

Sprechen also medizinische Informationen gegen die allgemeine Impfpflicht ? Nein, offensichtlich nicht, denn landauf, landab wird eindringlich für das Impfen geworben. Wer sich impfen lässt, schützt sich und andere, heisst es. Auch der massive Einsatz öffentlicher Gelder wäre wohl kaum vertretbar, wenn die medizinische Wirksamkeit erwiesenermaßen nicht gegeben wäre. Und auf Einzelfälle von Unverträglichkeit wird auch bei einer Pflicht zur Impfung Rücksicht genommen werden, so, wie es jetzt schon getan wird.

Sprechen dann vielleicht die bisherigen Aussagen aus der Politik gegen die allgemeine Impflicht, das viel zu früh gegebene Versprechen also, es werde diese Pflicht nicht geben ? Ja, aber nur wenn das Korrigieren einer einmal verkündeten Meinung  als negativ empfunden wird. Völlig leichtfertig wurden schon frühzeitig bei Beginn der Pandemie Aussagen über die künftige Behandlung einer Krankheit gemacht, deren Verlauf überhaupt nicht absehbar war und ist. Muss jetzt dieser Fehler zugegeben werden ? Ist das für verantwortliche Politiker nicht zu ertragen ?

Ich denke, genau so ist es. Die Ablehnung der allgemeinen Impfpflicht und ihr Ersatz durch die gesellschaftsspaltenden 2 G Regeln ist nicht wirklich Respekt vor der Freiheit der einzelnen Bürgerinnen und Bürger und deren Grundrechten, sondern lediglich die Folge von Angst oder Unfähigkeit unserer politischen Führung und ihrer Beratungsteams, wirkliche Führungskraft zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen.

Politik, die die Interessen der Einzelnen und die der Gesellschaft auf der Basis aller bekannten Informationen gegeneinander abwägt und alle Bürgerinnen und Bürger unseres Landes respektvoll behandelt, muss die allgemeine Impfpflicht beschließen und durchsetzen, und nicht Maßnahmen einleiten, die Andersdenkende diskriminieren und so lange unter Druck setzen, bis sie aufgeben.

Foto Johaehn / Pixabay