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Nachdenktage: 6. September

Für Emden ist der 6. September1944 ein zentrales historisches Datum. Der Tag steht für ein besonders prägendes Ereignis in der Stadtgeschichte: In den späten Nachmittagsstunden wurden bei einem Bombenangriff etwa 80 Prozent der Stadt zerstört. Auch für uns Menschen des Jahres 2022 ist dies nicht einfach ein Tag im Geschichtsbuch, sondern Grund für Gedenken und Erinnern, wie die aktuelle Einladung  von Oberbürgermeister Tim Kruithoff zeigt:

„Der Luftangriff der Alliierten am 6. September 1944 hatte das Ziel der größtmöglichen Zerstörung. Innerhalb von weniger als einer halben Stunde wurden von 181 Bombern annähernd 18.000 Bomben auf die Stadt geworfen. 46 Emder/innen wurden getötet, 109 verletzt und 21.000 Einwohner wurden obdachlos. Das gesamte Stadtgebiet innerhalb des Wallgürtels wurde fast vollständig zerstört. Wie unzählige andere Gebäude wurde auch das 1574 bis 1576 erbaute Renaissance-Rathaus bei dem verheerenden Flächenbombardement bis auf die Grundmauern zerstört.

Bis dahin war das Rathaus nicht nur das städtebaulich dominierende Element der Emder Innenstadt, sondern das emotionale Herz unserer Stadt …

Wie in jedem Jahr bereitet die Stadt Emden – unter anderem in Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern des Bauvereins Neue Kirche Emden e.V., des Arbeitskreises Bunkermuseum sowie dem Arbeitskreis 6. September – die Feierlichkeiten zum Gedenken an den 6. September 1944 vor.“

Trümmer des alten Rathauses von Emden am Delft

Die weitgehende Zerstörung ihrer Heimatstadt war für viele Emderinnen und Emder zunächst ein schmerzliches Geschehen und wurde in vielen Familien bis heute durch Erzählungen weitergegeben. Das ist richtig, wichtig und gut, und doch muss der Blick nach 78 Jahren weit über den Rand der Stadt hinausgehen.  Der Angriff auf Emden war Teil des Kampfes gegen das nationalsozialistische Deutschland; er ist daher nicht zu verstehen ohne eine umfassende Einordnung in den Kontext der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Drastische Worte dafür findet Hans-Gerd Wendt:

„Der Untergang Emdens geschah viel früher, am 6.9.1944 wurde er nur ganz deutlich, für jeden sichtbar. Der Untergang wurde nur noch besiegelt. Die Verbrechen, die dazu geführt hatten, geschahen vor, während und noch nach dem vernichtenden Bombardement der Stadt, nicht nur in Berlin, sondern auch in Emden. Der barbarischen Selbstzerstörung der Stadt und des Landes, der Zerstörung Europas und dem Morden an Millionen von Menschen wurde am 8.5.1945 – von außen – ein Ende gesetzt. Die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter der Stadt und des Landes, die Unterdrückten und Entrechteten, die Widerstand geleistet und in Zuchthäusern und Konzentrationslagern vegetiert hatten, die, die Menschen geblieben waren, wurden befreit. Der Rest wurde besiegt.“

Die Unterschiede dieser im Netz gefundenen Texte deuten an, welche Bandbreite an Betrachtungsweisen das Thema Bomben auf Emden bietet. Hier ist breites Recherchieren für eine eigene Meinungsbildung wichtig; sie könnte beginnen bei der Darstellung der Jahre 1933 bis 1945 in der offiziellen Emder Stadtgeschichte. 

Mehr zum Thema im Netz:

Vollständige Einladung des Oberbürgermeisters zum Gedenken an den 6. September 1944 auf der Internetpräsenz der Stadt

Vollständige Auseinandersetzung mit dem 6. September 1944  und dem Umgang mit dem Gedenken auf einer Seite der Ubbo-Emmius-Gesellschaft

Darstellung der Emder Stadtgeschichte 1933 – 1945 auf den Seiten der Stadt

Foto:

Stadtarchiv Emden

Und:

Im Laufe des Kalenderjahres gibt es viele Nachdenktage.