Nachdenktage: 6. August 1945

Als der Zweite Weltkrieg in Europa bereits beendet war, wurden am 6. und 9. August 1945 zum bisher ersten und letzten Mal zwei Atombomben als Waffen eingesetzt; die USA wollten damit den Krieg gegen Japan schnell beenden und hatten damit wohl auch Erfolg.

Bis 1950 starben als Folge in den beiden Städten etwa eine Viertel Million Menschen, zum Teil sehr qualvoll.

Nie wieder !

Nach dem Abwurf der Bombe stieg der Atompilz über Nagasaki 18 km in die Höhe

Mehr zum Thema im Netz:

Der Krieg im Pazifik bei Lebendiges Museum Online

Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki bei Bundeszentrale für politische Bildung

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Charles Levy / Wikimedia Commons

Und: Im Laufe des Jahres gibt es viele Nachdenktage.

Layla statt Heidi

Als um das Jahr 1970 die Diskussion um Serge Gainsbourgs „Je t’aime“ stattfand, war ich jung und entschieden gegen einen Boykott dieses Liedes, das in so eindeutiger Weise sexuelle Anspielungen enthielt und dadurch bei vielen Menschen und Institutionen aneckte. Für mich und viele andere wirkte es gerade dadurch befreiend. Seitdem hat es in der populären Musik, bei Schlagern, Pop- und Rocksongs, so viele Lieder und Songs gegeben, die sich in ihrem Text bis an die Ränder des guten Geschmacks, manchmal auch der gesellschaftlichen Konventionen oder sogar des Strafrechts bewegten, das ich sie nicht alle aufzählen kann. Deutschsprachig fallen mir zuerst der „Skandal im Sperrbezirk“, Peter Maffays „Und es war Sommer“ oder vor allem Falcos „Jeanny“ ein.

Im Vergleich mit diesen Liedern und Texten kann ich die derzeitige Aufregung um „Layla“ überhaupt nicht verstehen. Auch nach mehrmaligem Lesen sehe ich den Sexismus nicht, es sei denn, der Hinweis auf einen Puff oder die Nutzung des Wortes geil sind sexistisch. In der heutigen Zeit ? Beim gedanklichen Durchwandern deutscher Partymusik fällt mir zum Stichwort sexistisch viel eher die „Polonäse Blankenese“ von Gottlieb Wendehals ein, in der eindeutig zweideutig auf tatsächlichen Sexismus in Form von körperlicher Belästigung angespielt wird: … wir ziehen los mit ganz großen Schritten und Erwin faßt der Heidi von hinten an die ___ Schulter …“ Soweit ich weiss, wird dieses Lied heute noch gespielt und gesungen, ein nennenswerter Boykott ist mir nicht bekannt.

In der aktuellen Diskussion wird oft auf Kontroversen um ausgesprochen derbe Texte des deutschen Rap und seines Umfeldes hingewiesen, in der es seit Jahren an problematischen Inhalten wimmelt. Stets hat jedoch das Argument der Kunstfreiheit gesiegt und die Debatten beendet. Was ist anders ? An eine solche Welle der Aufregung und des Boykotts, wie sie es gerade gegen den Mallorca-Hit „Layla“ gibt, kann ich mich nicht erinnern. Warum greifen eine städtische Verwaltung und Veranstalter von Volksfesten mit Zensur in die Musikauswahl von DJs, Bands und Kapellen ein, warum wird der Song so breit debattiert ?

Diese Fragen werden in den Medien nicht gestellt und nicht beantwortet; der Sexismus wird nicht erklärt. Ich sehe derzeit zwei mögliche Antworten. Zum einen geht es um einen ausgesprochenen Hit, einen Nr-1-Charts-Song, und zu viele Männer und Frauen singen auf Festen zu fröhlich in den Augen derer, die ihre persönlichen Ansichten zum Maßstab für alle Menschen setzen und die Massen umerziehen wollen. Zum anderen könnte die Lösung viel einfacher sein und darin liegen, dass die Puffmutter Layla heisst und nicht mehr Rosi oder Heidi. Besonders naheliegend ist dies, weil es nicht thematisiert wird; es ist eben ein Tabu.

Was  auch der Grund für die Debatte ist: Es geht nur um ein Lied, das geschmacklos, dümmlich oder sonstwie genannt werden kann. Es ist definitiv kein Fall für das Strafrecht. Zensur darf nicht stattfinden, denn über Vorlieben und  Geschmack entscheidet jeder und jede selbst !  

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Tag der Arbeit 1. Mai

Nach zwei Jahren mit gebremsten und meist nur digitalen Aktivitäten sollen in diesem Jahr wieder in ganz Deutschland machtvolle Mai-Demonstrationen des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB stattfinden, natürlich auch in Emden.

Hier bei uns beginnt am Sonntag die gewerkschaftliche Veranstaltung um 10:15 Uhr mit einer Demonstration vom Hafentor aus; sie führt in großem Bogen zum Stadtgarten, wo ab 11:30 Uhr eine Kundgebung stattfindet. Vor der Demonstration findet ab 9:30 Uhr ein Gottesdienst statt, und nach dem Ende der Kundgebung geht die Veranstaltung über in ein Familienfest im Stadtgarten.

Das bundesweite Motto des DGB für den 1. Mai 2022

Ursprünglich geht der Tag der Arbeit auf Ereignisse in den USA im Jahr 1886 zurück. Auf dem zweiten Internationalen Arbeiterkongress in Paris wurde beschlossen, sich Plänen des Amerikanischen Arbeiterbundes für eine weltweite Demonstration am 1. Mai 1890 anzuschließen. Damit wurde der 1. Mai zum zentralen Aktions- und Feiertag der Arbeiterinnen und Arbeiter weltweit. In Deutschland unterstützte dies die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP, später SPD) und am 1. Mai 1890 legten etwa 100 000 Menschen ihre Arbeit nieder. Der 1. Mai entwickelte sich danach zum Festtag der Arbeiterbewegung, wurde aber nur 1919 einmalig als gesetzlicher Feiertag begangen.

In der Weimarer Republik war die Arbeiterbewegung gespalten: Während die SPD den 1. Mai als Festtag begehen wollte, betonte die Kommunistische Partei (KPD) den Kampfcharakter des Tages. Als sie 1929 trotz eines Demonstrationsverbots Maidemonstrationen in Berlin organisierte, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen mit über 30 Toten, Hunderten Verletzten und vielen Verhaftungen, zum sogenannten „Blutmai“. 1933 machten die Nationalsozialisten den 1. Mai zum Feiertag der nationalen Arbeit, besetzten aber am Tag darauf Gewerkschaftshäuser, Arbeiterbanken und Gewerkschaftsblätter. Viele leitende Funktionäre wurden in Konzentrationslagern und Gefängnissen inhaftiert. Die neugegründete Deutsche Arbeitsfront (DAF) sollte das nationalsozialistische Ideal der Volksgemeinschaft darstellen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der 1. Mai 1946 durch die Alliierten als Feiertag bestätigt. In der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR wurden am 1. Mai lange Zeit staatliche Militärparaden inszeniert; Bürgerinnen und Bürger waren verpflichtet, daran teilzunehmen. In der Bundesrepublik nutzten die Gewerkschaften den Tag für Massenkundgebungen mit wechselnden Schwerpunkten und Themen. Trotz oft lebensentscheidender Fragen sind die Maikundgebungen seit Jahren schon nicht mehr so attraktiv wie früher: Folgten 1960 in Berlin noch 750 000 Menschen dem Aufruf, so nahmen 2019 an der offiziellen Kundgebung des DGB am Brandenburger Tor nur noch 13 000 teil.

Heute, nach dem Ende vieler Corona Beschränkungen, muss diese Entwicklung wieder umgekehrt werden; Gründe dazu gibt es genug. Bürgerinnen und Bürger müssen neu die Bereitschaft entwickeln, gemeinsam für gewerkschaftliche Ziele einzutreten. Der DGB und seine Gewerkschaften müssen aber wohl auch über die Formen nachdenken, in denen das Anliegen des 1. Mai präsentiert wird.

Mehr zum Thema im Netz:

Der 1. Mai – Tag der Arbeit in Lebendiges Museum Online

Grafik:

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)