Kein Ranking des Leidens

Neben all den bekannten gesellschaftlichen Aspekten im Rückblick auf 2021 habe ich mich oft mit der Aussage beschäftigt, dass Kinder und Jugendliche die größten Verlierer der Corona-Zeit sind. Als gerade erst pensionierter Lehrer und auch als Großvater von zwei Enkelinnen kann ich diesen Satz zunächst gut nachvollziehen, wenn ich daran denke, was von den jungen Menschen alles in den letzten 21 Monaten zu verkraften war. Und ja: Da hat auch viel Schönes im Leben gefehlt !

Großvater und Enkelin

Als Neffe und Betreuer von Onkel und Tante im Alter von 89 und 90 Jahren und als Mitglied des Emder Seniorenbeirates habe ich jedoch auch das andere Ende des Lebens genau gesehen. Ich war dabei, als ein Ehepaar sich nach über 60 Jahren Gemeinsamkeit nur noch durch eine Plastikscheibe getrennt treffen konnte, und ich habe die Geistlichen gehört, die von unerträglichen Beschränkungen bei Begräbnissen erzählten. Abschied nehmen war nicht immer möglich.

Natürlich gewichten wir beim Thema Finanzen, und wir müssen auch politisch bedingt Priorisierungen vornehmen, aber es darf kein „Ranking des Leidens“ geben. Jede Altersgruppe hat gelitten und musste und muss immer noch einstecken: Die Einen leiden in ihren wichtigen prägenden Jahren, die Anderen in den letzten Jahren, die sie noch haben. Die Einen verlieren viele Tage, Wochen und Monate mit unbeschwertem Spass, Abenteuern und Entdeckungen, den Anderen wird die Möglichkeit genommen, ihren Lebensabschluss zu genießen und das Ende in Würde zu erleben. Der wahrscheinlich gut gemeinte Hinweis darauf, dass noch ein langes Leben wartet, tröstet aktuell keinen Teenager; der Verweis darauf, dass jemand bereits ein langes Leben gehabt hat, ist respektlos.

Wir sollten alles Leiden ernst nehmen und nicht gewichten, sonst gehen wir auch hier einen Schritt zu einer gesellschaftlichen Spaltung. 

Der Text ist eine erweiterte und deutlicher formulierte Fassung eines Beitrages für die Emder Zeitung vom 6. Januar.

Foto: Rita E / Pixabay

Alles Gute im Jahr 2022 !

Auch an diesem Silvester finden öffentliche wie auch private Feiern kaum statt oder sind zumindest deutlich kleiner als wir es gewohnt sind, und Feuerwerke soll es überhaupt nicht geben. Und doch: Wir freuen uns wieder einmal über den Beginn eines neuen Jahres.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieser Seiten alles Gute für das neue Jahr 2022. Bleibt gesund. Setzt euch ein für eure Ziele und habt dabei viel Erfolg. Und wenn sich die Dinge doch nicht wie geplant entwickeln, dann gebt nicht so schnell auf. Es geht weiter, vielleicht ein wenig anders.

2022 wird sicherlich kein Jahr voller Freude und Genuß; ich denke eher, dass Probleme und Sorgen im Mittelpunkt unseres Tuns und Handelns stehen werden.

Bei den weiteren Impfaktionen muss endlich ehrlich ermittelt werden, wie wirksam welche neuen Mittel letztlich sind. Auf veröffentlichte Zahlen muss Verlass sein ! Öffentliche wie private Haushalte werden mehr als bisher abrechnen müssen, welche ökonomischen Folgen die Corona-Pandemie bereits gehabt hat und langfristig noch haben wird. Die Einschränkungen grundgesetzlich gesicherter und daher selbstverständlicher persönlicher Freiheiten müssen breit und tabulos diskutiert werden; die Debatte darf auch die Art und Weise ihres Zustandekommens im abgelaufenen Jahr nicht aussparen.

Für die neue Regierung im Bund und ihre Mehrheit im Parlament, aber auch für den niedersächsischen Wahlkampf darf die Corona-Pandemie nicht das alleinige Thema sein. Sorgen und Fragen entstehen auch im Bereich der Finanzen, zum Beispiel, wenn es um die beginnende Inflation oder die Altersvorsorge geht, oder  bei den zuletzt eingegangenen europäischen Verpflichtungen oder den Belastungen des Sozialsystems durch neue soziale Leistungen. Der Bund, unser Land Niedersachsen und auch unsere Stadt Emden müssen fragen: Was müssen wir uns leisten ? Was wollen wir uns leisten ? Was können wir uns leisten?

2022 wird also viele Herausforderungen bereit halten und damit die Gelegenheit für viele Überlegungen und Vorschläge im Laufe des Jahres.

Foto: S. Hermann und F. Richter / Pixabay

Frohe Weihnachten !

Zum zweiten Mal schon wird das Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen gefeiert; nur wenige hätten wohl vor einem Jahr damit gerechnet. Bei der Bewältigung dieser Krise geht es weiterhin nur schleppend voran, und immer noch müssen über eine längere Zeit Einschränkungen von Freiheiten hingenommen werden … und die Einsicht in die Notwendigkeit sinkt.

Es wird auch immer deutlicher, wie mangelhaft die Informationspolitik aller Verantwortlichen ist, denn Tag für Tag erfahren wir aus Medien unterschiedliche, widersprüchliche und oft frustrierende Neuigkeiten und Positionen zum Thema Corona. Nirgends wird das Offensichtliche klar ausgesprochen, dass nämlich niemand genau weiss, wie es weitergehen wird, wie wirksam die Impfungen sein werden, wann der Pandemiezustand überwunden sein wird und wir mit einer unangenehmen, aber kontrollierbaren Krankheit leben werden.

Trotz allem ist aber Weihnachen und wir erleben wieder die ersehnte und gewohnte Pause vom routinemäßigen Alltag, wenn auch bei weitem nicht so, wie wir alle es gern hätten.

Allen Leserinnen und Lesern dieser Seiten wünsche ich ein frohes Fest: Genießt die Zeit mit der Familie, mit Freundinnen und Freunden und Bekannten so gut es geht, tankt Kraft in diesen ruhigeren Tagen. Passt gut auf euch auf und bleibt gesund !

Foto: Sabine Kroschel / Pixabay